Archiv für März 2013

Sex und das Internet

Hier reblogge ich einen Text von Freidimensional. Ich finde keine Worte zu den Gefühlen die dieser Text auslöst, außer Wut und Trauer.

Einigen von euch wird es noch in Erinnerung sein: Vor wenigen Wochen wurden mir über ein einschlägiges Forum massive Drohungen zugespielt. Die Seite wurde mittlerweile geschlossen, Screenshots davon habe ich nicht mehr (bzw. liegen bei der Polizei). Ich bekam auch Kommentare direkt in mein Blog. Das reichte von übelsten Beleidigungen bis hin zu konkreten Beschreibungen einer Vergewaltigung und Ermordung meiner Person. Echt-Bilder von aufgeschlitzten Frauen, deren Eingeweide mit Glasscherben entfernt wurden, waren auch dabei.
Im Forum wurde angedeutet, meine Adresse und meinen Klarnamen zu kennen. Über die Angst, die seitdem manchmal mehr und manchmal weniger präsent ist, schreibe ich an dieser Stelle nicht.
Nachdem ich die Sache zuerst ignorieren wollte, machte mir Mila später klar, dass ich Anzeige bei der Polizei erstatten müsse. Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, nahm mich anfangs nicht recht ernst. Als ihm dann das Eskalationslevel der Bedrohungen bewusst wurde und ich ihm die „untermalenden“ Bilder im Forum zeigte, änderte sich seine Einstellung.
Wenige Tage später gab ich diverse Screenshots im selben Revier (Fachabteilung Internetkriminalistik) ab. Die erste Frage des Sachbearbeiters war, was denn ein Blog sei und ob ich ihm kurz twitter erklären könne. Von diesem Zeitpunkt an wusste ich: Diese Menschen sind nicht deine Freunde. Ich schaltete ab. Den Schock immer noch im Nacken, verkraftete ich dieses mangelnde Wissen über aktuelle Internetthemen nicht. Ich hakte die Angelegenheit ab und konzentrierte mich auf andere Dinge.
Gestern rief mich die Kripo an und der zuständige Herr fragte, ob ich heute vorbei kommen könne, denn er bräuchte noch ein paar Angaben von mir.
Hoffnungsvoll machte ich mich heute Morgen auf den Weg und seitdem ist alles anders. Lest diese Geschichte, macht euch selbst ein Bild.
Der zuständige Herr war krank und so begleitete mich eine Frau in das Besprechungszimmer.
„Frau R., wir müssen über Ihren Blog reden. Die zuständige Ermittlerin der Internetkriminalistik hat Anzeige gegen Sie erstattet wegen Verbreitung von Pornographie über das Internet.“
Ich hatte drei Stunden im Hotel geschlafen, kein Frühstück gehabt und war körperlich nicht in der besten Verfassung.
Ich: „Bitte was?“
Sie: „Ja. Es geht es um dieses Bild hier …“ Sie schob mir einen Ausdruck zu. Es handelte sich um das Artikelbild zu meinem BDSM-Blogpost. Eine Frau liegt mit dem Rücken auf dem Tisch und praktiziert Oralverkehr mit einem Mann im Hintergrund. Wer sich an das Bild erinnert: Ihr Mund und sein Penis waren nicht ausgeleuchtet und daher nur auf den zweiten Blick erkennbar. (Das Bild habe ich mittlerweile entfernt.)
Ich war fassungslos. Nein, dieses Wort beschreibt es nicht vollständig. Mir entglitt plötzlich alles und ich fing an zu weinen. Der Herr am Telefon hatte mich unter einem falschen Vorwand zur Kripo gebeten. Die Chance, mich vorher über meine Rechte zu informieren, war also vertan.
Wir diskutierten eine Weile über den Sachverhalt.
Ich: „Ich bin dann vorbestraft. Die Hälfte meiner angestrebten beruflichen Positionen kann ich vergessen.”
Sie: „Nun, Frau R., es sieht folgendermaßen aus: Sie können sich zu der Sache äußern oder zunächst keine Angaben machen. Die Möglichkeit, einen Anwalt einzuschalten, haben Sie später noch. Da nun ein Strafprozess gegen Sie beginnt, muss ich Sie erkennungsdienstlich erfassen. Dazu müssten wir in einen anderen Raum gehen und Ihre Fingerabdrücke nehmen und Sie fotografieren.“
Die Welt verlor ihr Angesicht. Das Gefühl, das ich in diesem Moment hatte, kann mit Worten nicht beschrieben werden.
Ich schaltete völlig ab, antwortete nicht mehr, saß nur stumm auf meinem Stuhl und versuchte, das Atmen nicht zu vergessen.
Die Dame bat mich, die Erklärung zur Abgabe einer DNS-Probe zu unterschreiben. Wir erinnern uns: Ich hatte ein einziges, minimal pornographisches Bild in meinem Blog gepostet und sollte eine DNS-Probe abgeben. Ich verweigerte die Abgabe.
Da ich vorher etwas lauter geworden war, leistete uns ein weiterer Beamter Gesellschaft und wir liefen in das andere Gebäude zum Erkennungsdienst. Dort angekommen, wurde ich zunächst vermessen und gewogen. Danach sollte ich mich auf einen Stuhl mitten im Raum setzen. Schräg über meinem Kopf war eine Art kleineres Flutlicht, damit ich voll ausgeleuchtet werden konnte. Zwei Beamtinnen und ein Beamter musterten mich aus ca. zwei Metern Entfernung. Ich kam direkt aus dem Hotel und hatte noch das Kleid vom vorigen Abend an. Alles passte perfekt ins Bild der sexuell über die Stränge schlagenden Frau.
Die Beamten mutmaßten über meine Augenfarbe, traten an mich heran und redeten über mich als sei ich ein Ausstellungsstück. Ich bekam nur einzelne Wortfetzen mit:
„Machst du noch den Abgleich der Ohrenform?“
„Strecken Sie bitte Ihre Hände aus.“ Sie tastete meine Finger ab, um sie auf Auffälligkeiten zu untersuchen.
„Können Sie bitte Ihren Blazer ausziehen?“ Sie betrachtete meine Unterarme und gab die genaue Position von mehreren Narben an.
„Haben Sie Tattoos?“
„Haben Sie Narben an den Beinen?“ Ich zog meine Stiefel aus und streckte ihnen meine Beine entgegen.
„Ja, sie hat eine Narbe am Knie!“
„Sind Ihre beiden Ohren gepierct?“
Dazwischen kamen mehrere Beamte durch die Räume gelaufen und redeten anscheinend über das Mittagessen.
„Ist das eine Narbe da in Ihrem Dekolleté?“ Es ging um die Narbe meiner Herz-OP. Ich konnte nicht mehr an mich halten und fragte nur: „Was zur Hölle soll es denn bitte sonst sein?“
An den Wänden hingen Ausdrucke, nach denen das Aussehen der betreffenden Personen beschrieben werden konnte. Vor allem bei der Identifizierung menschlicher Rassen sollten diese wohl behilflich sein. Ich las nur … asiatisch, europäisch etc.
Mein Gesicht wurde aus drei verschiedenen Perspektiven fotografiert. Das Ganzkörperbild gab es noch obendrauf. Meine Fingerabdrücke wurden eingescannt. Ich spaltete mich komplett von meinem Körper ab, sonst wär ich durchgedreht.
Die Prozedur war zu Ende und die Dame begleitete mich zum Ausgang.
Draußen rief ich als erstes die Sachbearbeiterin der Internetkriminalistik an und erkundigte mich nach dem Stand der Ermittlungen meiner Anzeige.
Sie: „Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass ich nichts tun kann. Alle erforderlichen Ermittlungen waren ohne Ergebnis.“
Ich: „Sie wissen, dass ich gerade bei der Kripo war, weil Sie mich angezeigt haben?“
Sie: „Ja. Das war meine Pflicht.“
Ich: „Was unternehmen Sie eigentlich gegen youporn oder tubegalore oder die ganzen anderen Porno-Websites, die jedes Kind in Deutschland ohne Beschränkung anschauen kann? Die Websites, die täglich hunderttausende Zugriffe haben? Nicht wie mein Blog, der vielleicht ein paar Hundert Leser hat.“
Sie seufzte. „Ach, das Internet ist so groß und wenn man da einmal anfängt, kommt man nie zu einem Ende.“
Verbreitet bitte diesen Beitrag. Egal auf welchem Weg. Nehmt ihn als Warnung und als Zeugnis von einem völlig verdrehten Verhältnis von Gerechtigkeit.

Unsere Routinen

Hier rebloge ich einen Blogpost von Rick Siebert
Die Scheiße nennt mensch Lohnarbeit. Aber Routinen beginnen schon in der Schule. Wir werden von anfang an darauf getrimmt uns dem Alltag zu ergeben und einfach unseren Platz auszufüllen der ein Rädchen der Maschine darstellt.

„Was ist das denn für ein Leben das wir hier leben? Wecker klingeln, sich umdrehen, die verquollenen Augen zusammenkneifen, durchatmen und auf das zweite Weckerklingeln warten. Aufstehen, Quälend. Jeder Zelle deines Körpers Schreit nach Schlaf. Erste Routine des Tages. Kaltes Wasser ins Gesicht obwohl man den Schlaf nicht loswerden will. Das Waterboarding der Werktätigen. Gang zum Schrank. Irgendwas greifen. Überstreifen. Währenddessen zur Kaffeemaschine trotten. Wasser rein. Zu viel Pulver. Schlürfendes Röcheln. magenschonenden Joghurt aus Plastikbechern in den Mund stopfen. Aufstoßen. Kaffee in die Tasse. Bitterer Geschmack im Mund. Auf dem Balkon die erste Zigarette. Husten. Blick auf die Uhr. Schon wieder zu spät dran. Hastig nach der Jacke greifen, Die Treppen runterstolpern. Gang zur Arbeit. Anonyme Gesihhter schweben dir vorbei. Die Sklaven der Lohnarbeit. Zweiter Kaffee vom Kiosk. Wässrig und so durchsichtig das du das Recyclinglogo auf dem Boden siehst. Angerempelt werden. Das Surren der automatischen Tür vor deiner Arbeit. Den Körper straffen, falsches Lächeln aufsetzen. 8 Stunden eine Figur spielen die du nicht bist. Eine Maske die du aufgesetzt hast. Nach 8 Stunden wieder das surren. Das dumpfe hämmern im Kopf zwischen Schläfe und Augenhöhlen. Weg nach Hause. Der Drang abzuschalten. Verlangen nach Bier und Ruhe. Zuhause am Briefkasten Werbung für neuen Scheiß den du kaufen sollst und Rechnungen für Dinge die du eigentlich nicht brauchst. Aufs Sofa fallen. TV einschalten. Gestellte Realität. Streit, Liebe. Du saugst die Emotionen in dir auf. Emotionen die du nicht mehr fühlst. Fernseher aus. Leere. Ins Bett fallen.“

Ist es das was wir wollen? Ist es das was uns ausfüllt?