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Tut mir leid, aber hier kann ich nicht feiern …

Sicher mag es viel und berechtigte Kritik an dem geben, was ich in den nächsten Zeilen schreiben werde. Aber seit einigen Wochen beschäftige ich mich immer wieder mit einem Thema über das ich nun schreiben will: Homo- und Bisexualität.

Ich habe dieses Jahr meine ersten homosexuellen Erfahrungen gemacht und mich, mir selbst und anderen gegenüber zu meiner Bisexualität bekannt. Aber wenn ich an Veranstaltungen wie den CSD in Dresden denke, dann habe ich einen faden Beigeschmack. (Und das schon bevor ich erfahren habe, dass der Toleranzpreis des CSD an Helma Orosz von der CDU verliehen wurde.)
Sorry, aber ich kann in dieser homo- und transfeindlichen Gesellschaft nicht feiern. In verschiedenen Ländern wurde Homosexualität wieder unter Strafe gestellt und ein Klima für homo- und transfeindliche Gewalttaten geschaffen. Und Russland ist da nur die Spitze des Eisberges. Aber auch in westlichen Staaten, wo ja angeblich Toleranz gegenüber nicht-normativer Sexualität herrscht, spüre ich ein Klima, dass Menschen dazu treibt ihre sexuellen Neigungen zu verleugnen oder sich als „geistig gestört“ behandeln zu lassen. Auch hier werden Menschen in den Suizid getrieben, weil sie mit dem Hass, der ihnen aus ihrem Umfeld entgegenschlägt nicht klar kommen.
Daher möchte ich noch folgendes loswerden: Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich inzwischen in einem linksradikalen Umfeld zuhause bin, ich dem ich experimentieren und entdecken konnte. Die homophobe Sozialisierung durch meinen Freundeskreis hat das zu Schulzeiten verhindert.

In dem Sinne: Stonewall was not a streetparty – still fighting homophobia!

Ein paar ungeordnete Gedanken was nach der Revolution™ kommt…

Seit ein paar Wochen schreibt der @ricksiebert Texte darüber wie eine utopische Gesellschaft aussehen könnte. Auch @pinthesk hat das getan. Beide Texte sind wunderbar. Sie bringen mich wahlweise zum lächeln oder zum weinen. Aber sie lassen das Gefühl zurück wir könnten gewinnen weil wir soviel zu gewinnen haben. Aber beide Texte spielen in kleineren Siedlungen/Kommunen und so sehr ich die Ruhe schätze die mir die Wochenende auf einer Hütte im Wald in der Nähe Dresdens geben, bin ich eben doch in der Stadt aufgewachsen und lebe auch gerne in der Stadt. Deswegen möchte ich gerne was darüber schreiben. Mal schauen, was dabei rauskommt.

Ich laufe durch die engen Straßen meines alten Viertels. Als ich geboren wurde, war es verkommen und hat vor allem Hausbesetzer_innen angezogen und Leute die alternative Lebensweisen ausprobieren wollten. Ihre kollektiven Versuche sind mit der Zeit versandet und das Szeneviertel wurde durchgentrifiziert. Doch an ein paar Ecken haben sich die alten runtergekommenen Häuser noch halten können. Das sind die Häuser aus denen heute noch die Fahnen herraushängen. Fahnen mit dem „neemt“-Zeichen. Oder mit einen A im Kreis. An manchen Ecken wehen mir auch schwarze, schwarz-rote und vereinzelt rote Fahnen entgegen.
Während ich auf die Straßenbahn warte drehe ich mir eine Kippe. Rauchend steh ich da und ärger mich: „Manche Dinge werden sich nie ändern! Im Kapitalismus waren die Bahnen unpünktlich und jetzt sind sie es auch!“ Ein junges Mädchen neben mir sieht mich abschätzig an. Ich glaube ich habe damals genauso geguckt wenn alte Männer neben mir irgendwas gebrummelt haben. Bei dem Gedanken muss ich schmunzeln. Ich werfe die halb-gerauchte Kippe auf die Straße und steige in die Bahn die grade um die Ecke kommt.
Während ich in der Bahn sitze um nach Hause zu fahren komm ich am Gebäude der wirtschaftlichen Planungskommission vorbei. Als ehemaliger Gewerkschafter hätte ich immer gedacht, dass ich eines Tages da arbeiten würde, aber als wir genügend waren um massenhaft die Betriebe zu besetzen und unsere ökonomische Macht einzusetzen um den Kapitalismus in die Knie zu zwingen, waren schon genügend Menschen mit mehr planerischem und rechnerischem Geschick Gewerkschaftsmitglieder als das meine Dienste von Nöten gewesen wären. „Ich hab die Propaganda gemacht und sie die Arbeit“ wie meine Tochter es manchmal ausdrückt wenn sie mich ärgern möchte.
Die meisten Straßenzüge durch die ich fahre sind saniert und haben saubere Fassaden. Doch vielen meiner alten Freunde gefällt das nicht. Wir haben alle zulange in unser Subkultur-Blase verbracht. Stattdessen wohnen wir in den gleichen alten Häusern wie damals. Wir setzen immer noch auf Gasherd und viele haben immer noch Ofenheizung. Unsere Häuser sind über und über mit Farbe besprüht oder mit Papier beklebt und es rufen einem immer noch die alten Parolen entgegen wenn mensch den Straßenzug betritt. Geändert hat sich eigentlich nur, dass wir nicht mehr den halben Monatslohn für Miete, Strom und Wasser abdrücken. Viele ernähren sich inzwischen vegan weil sie es sich jetzt leisten können. Jetzt wo wir Produktion und Konsum planen.
Unentschloßen steh ich an der Straßenecke. Geh ich nach Hause oder doch noch mal in die Kneipe. Schlussendlich siegt der Durst und ich geh 2 Häuser weiter und betrete die „Bar Kunin“. Immer wieder schimpfen wir als Kneipenkollektiv über den Namen aber können uns auch nicht auf einen neuen einigen. Ich schätze der wird so bleiben, bis wir alle tot sind.
Hinter‘m Tresen stehen Marco und Lena. Ich begrüße sie mit einer kurzen Umarmung und setze mich ihnen gegenüber. „Das übliche?“ fragt Lena und will mir schon eine Flasche Staro aufmachen, also ich sage „Ne, ich nehm ein kleines vom Fass.“ Sie lächelt mich an und nimmt ein Glas aus dem Regal hinter ihr.
„Is‘ eh besser wenn du vom Fass trinkst, das Staro-Kollektiv hat Schwierigkeiten beim Liefern. Erst gestern wurde in dem Dorf wo ich geboren wurde wieder jemand vom Planungsrat angegriffen. Die Faschos trauen sich wieder mehr. Die tschechischsprachige Föderation wird von Tag zu Tag instabiler.“
Sie stellt mir das Bier hin und geht an einen Tisch wo sich gerade 2 neue Leute hingesetzt haben. Sie tragen die immergleichen schwarzen Klamotten, wie die meisten die hier im Viertel wohnen. Alte Angewohnheiten denk ich bei mir. Als Lena wieder an den Tresen kommt sage ich: „Wenn das so weitergeht, dann drohen die slowakischen Sovjets wieder mit einem Einmarsch. Können wir denn irgendwie helfen?“ Während Lena ein weiteres Bier zapft, kommt Nadrah von hinten und streichelt ihre langen braunen Haare. Die beiden begrüßen sich mit einen langen Kuss, dann meint Lena: „Ich telefoniere morgen mal mit Genossinnen aus Prag und frage sie wie sie die Situation einschätzen. Aber es ist ja nicht so als hätten wir nicht auch hier immer noch Probleme. Nadrah, erzähl ihm mal was dir letzte Woche passiert ist.“
Nadrah senkt ihren Kopf und murmelt leise: „Mich hat jemand ‚Türkenschlampe‘ genannt. Auf offener Straße. Ich hatte wirklich gehofft, dass ich sowas nie wieder hören muss.“ Sie wirkt als wäre sie den Tränen nahe und als Lena sie in den Arm nimmt, biete ich ihr an ihre Schicht zu übernehmen. Sie nickt und Nadrah und Lena verlassen durch die Hintertür die Kneipe. Ihre Wohnung ist gleich über den Hinterhof.
Als ich Marco, der gerade ein Fass im Keller gewechselt hat erkläre warum ich jetzt den Dienst mache, nickt er stumm. „Wir haben die Betriebe übernommen und jeder kann in bestimmten Grenzen alles kostenlos bekommen. Und trotzdem haben wir immer noch keine Möglichkeiten gefunden diesen widerlichen Nationalismus ein für alle mal zu beenden.“

Als ich am nächsten Morgen zur Druckerei gehe, habe ich eine Datei auf einem Stick bei mir. Es ist ein Plakat gegen Rassismus und Nationalismus. Das Planungskomitee hatte schon vor ein paar Wochen den Druck bewilligt. Es soll vor allem in Schulen aufgehangen werden. Aber irgendwie erscheint mir das zu wenig. Ich muss durch die Innenstadt. Mit einem Coffee to go und einer Kippe laufe ich durch die Einkaufsstraße. Sie hat sich eigentlich nicht groß verändert. Schaufenstern und gehetzte Menschen. Irgendwas ist falsch gelaufen. Wir haben es geschafft die Arbeitszeit zu verkürzen und die auf Konkurenz aufgebaute Wirtschaft zu Fall zu bringen. Aber wenn ich jetzt in die Gesichter der Menschen schaue, dann sehe ich nichts mehr von dem Feuer aus den Tagen als wir Fabriken besetzt haben und Häuser. Ich beginne daran zu zweifeln, dass wir die Konsumgesellschaft, dieses immer mehr und mehr haben wollen und die anderen dabei vergessen, ob wir das jemals auslöschen können.
In der Druckerei angekommen werde ich gefragt, warum ich die Daten nicht einfach hochgeladen habe. „Internet streikt. Und die Kommission hat schlecht kalkuliert. Also sind keine Reparaturen an den Kabeln möglich.“

Als ich abends wieder in unserer Kneipe sitze meint Nadrah: „Du siehst fertig aus. Schlechten Tag gehabt?“ Ich nehme einen Schluck von meinem Bier, dann antworte ich: „So in der Richtung. Ich brauch einfach mal wieder Urlaub. Vielleicht fahr ich zu ein paar alten Genossinnen und Genossen auf die Landkommune um ein paar Tage Kraft zu schöpfen. Bei denen brennt noch mehr von dem alten Feuer was ich hier in der Stadt vermisse.“
Sie schaut mich an und meint dann: „Ich weiß was du meinst, aber du bist auch ein alter Pessimist. Es gibt immer noch viel widerliche Scheiße. Ich meine, ich erlebe es ja selbst ständig, ichbin nicht weiß und eine Frau, eine lesbische noch dazu. Aber wir haben auch schon ’ne Menge erreicht. Und wir müssen einfach weiter machen!“

Eindrücke eines Wochenende

Hinfahren. Zeug abstellen. Wieder los. Bullen streßen, Faschos pöbeln. Alles halb so wild, aber die eigenen Paranoia machen mir Angst.
Egal, hilft nichts. Wieder zurück und angepackt. Naja oder eben daneben sitzen und unqualifizierte Kommentare abgeben.
Schlafen.

Kaffee, Kippe, Kästen schleppen. Nichts steht. Genervte Stimmung. Gleichzeitig können wir kaum was tun und grillen Gemüsespieße.
Langsam kommt das Ganze in Fahrt. Menschen. Musik. Hektik. Streß? Ein bisschen. Hunger. Fühle mich scheiße. Wurde mal wieder allein gelassen mit kollektiv übernommenen Aufgaben. Ärger und schlechte Laune wird mit Bier und guter Livemusik verdrängt. Aber er kommt wieder. Heftig. Dazu emotionale Probleme. Eine Beziehung die in die Brüche ging kommt mir in den Sinn. Das hat alles hier angefangen.
Feuer. Schön? Heute nicht. Wunden reißen auf. Wie ein Schlag in die Fresse.

Flügel aus Flammen
Eine feurige Blüte
Ein Tanz in Divergenz
Der Einigkeit heißt

Vorbei. Laune im Arsch. Plötzlich flauschen. Worte die aufbauen sollen. Zu spät.

Um 5 bin ich wieder an der Bar. Bier, Kippe, Mukke. Ein bisschen tanzen und noch mehr Bier. Was zu rauchen. Was für ein Frühstück. Aber die Laune ist wieder top. Pennen vorm Haus auf einen viel zu kleinen Sofa. Brötchen holen. Verschiedene Leute treffen. Kaffee. Nochmal frühstücken in größerer Runde. Jemand beginnt was vorzulesen. Bier, Kippe, Sonnenbrille. Und plötzlich ist es Abend.
Daran könnte ich mich gewöhnen. Trotz der Höhen und Tiefen. Aber morgen wird mich die Realität wieder haben und die schöne Erfahrung muss wieder über Wochen oder Monate hinweg dir halt geben.

Was bleibt ist das wichtige Gefühl trotz allem nicht alleine zu sein und die gemeinsame Forderung: Her mit dem guten Leben!

… und eine Magenverstimmung.

Scheiß auf’s Wetter, wir machen jetzt Sommer …

Dresden, 02.04.2013, 21:55, 0 °C Außentemperatur

Auf der Görlitzer Straße in der Dresdner Neustadt sitzen 4 Jugendliche mit Stühlen, Bierkasten und lauter Mukke ausm Laptop. 100 Meter weiter an der Krawalle (Ecke Louisenstraße, Rothenburger Straße) sitzen Leute auf den Fenstervorsprüngen, ein Mensch mit Akkordeon spielt munter vor sich hin.
Den Leuten hängt der Winter offenbar genauso zum Hals raus wie mir. Unterscheiden tut uns, dass ich einfach nicht wetterfest genug bin um’s einfach Sommer sein zu lassen.

Trotzdem in diesem Sinne:
Einfach machen, einfach nehmen,
Sommer, Sonne und das schöne Leben

02.04.2013 – Alice

Sex und das Internet

Hier reblogge ich einen Text von Freidimensional. Ich finde keine Worte zu den Gefühlen die dieser Text auslöst, außer Wut und Trauer.

Einigen von euch wird es noch in Erinnerung sein: Vor wenigen Wochen wurden mir über ein einschlägiges Forum massive Drohungen zugespielt. Die Seite wurde mittlerweile geschlossen, Screenshots davon habe ich nicht mehr (bzw. liegen bei der Polizei). Ich bekam auch Kommentare direkt in mein Blog. Das reichte von übelsten Beleidigungen bis hin zu konkreten Beschreibungen einer Vergewaltigung und Ermordung meiner Person. Echt-Bilder von aufgeschlitzten Frauen, deren Eingeweide mit Glasscherben entfernt wurden, waren auch dabei.
Im Forum wurde angedeutet, meine Adresse und meinen Klarnamen zu kennen. Über die Angst, die seitdem manchmal mehr und manchmal weniger präsent ist, schreibe ich an dieser Stelle nicht.
Nachdem ich die Sache zuerst ignorieren wollte, machte mir Mila später klar, dass ich Anzeige bei der Polizei erstatten müsse. Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, nahm mich anfangs nicht recht ernst. Als ihm dann das Eskalationslevel der Bedrohungen bewusst wurde und ich ihm die „untermalenden“ Bilder im Forum zeigte, änderte sich seine Einstellung.
Wenige Tage später gab ich diverse Screenshots im selben Revier (Fachabteilung Internetkriminalistik) ab. Die erste Frage des Sachbearbeiters war, was denn ein Blog sei und ob ich ihm kurz twitter erklären könne. Von diesem Zeitpunkt an wusste ich: Diese Menschen sind nicht deine Freunde. Ich schaltete ab. Den Schock immer noch im Nacken, verkraftete ich dieses mangelnde Wissen über aktuelle Internetthemen nicht. Ich hakte die Angelegenheit ab und konzentrierte mich auf andere Dinge.
Gestern rief mich die Kripo an und der zuständige Herr fragte, ob ich heute vorbei kommen könne, denn er bräuchte noch ein paar Angaben von mir.
Hoffnungsvoll machte ich mich heute Morgen auf den Weg und seitdem ist alles anders. Lest diese Geschichte, macht euch selbst ein Bild.
Der zuständige Herr war krank und so begleitete mich eine Frau in das Besprechungszimmer.
„Frau R., wir müssen über Ihren Blog reden. Die zuständige Ermittlerin der Internetkriminalistik hat Anzeige gegen Sie erstattet wegen Verbreitung von Pornographie über das Internet.“
Ich hatte drei Stunden im Hotel geschlafen, kein Frühstück gehabt und war körperlich nicht in der besten Verfassung.
Ich: „Bitte was?“
Sie: „Ja. Es geht es um dieses Bild hier …“ Sie schob mir einen Ausdruck zu. Es handelte sich um das Artikelbild zu meinem BDSM-Blogpost. Eine Frau liegt mit dem Rücken auf dem Tisch und praktiziert Oralverkehr mit einem Mann im Hintergrund. Wer sich an das Bild erinnert: Ihr Mund und sein Penis waren nicht ausgeleuchtet und daher nur auf den zweiten Blick erkennbar. (Das Bild habe ich mittlerweile entfernt.)
Ich war fassungslos. Nein, dieses Wort beschreibt es nicht vollständig. Mir entglitt plötzlich alles und ich fing an zu weinen. Der Herr am Telefon hatte mich unter einem falschen Vorwand zur Kripo gebeten. Die Chance, mich vorher über meine Rechte zu informieren, war also vertan.
Wir diskutierten eine Weile über den Sachverhalt.
Ich: „Ich bin dann vorbestraft. Die Hälfte meiner angestrebten beruflichen Positionen kann ich vergessen.”
Sie: „Nun, Frau R., es sieht folgendermaßen aus: Sie können sich zu der Sache äußern oder zunächst keine Angaben machen. Die Möglichkeit, einen Anwalt einzuschalten, haben Sie später noch. Da nun ein Strafprozess gegen Sie beginnt, muss ich Sie erkennungsdienstlich erfassen. Dazu müssten wir in einen anderen Raum gehen und Ihre Fingerabdrücke nehmen und Sie fotografieren.“
Die Welt verlor ihr Angesicht. Das Gefühl, das ich in diesem Moment hatte, kann mit Worten nicht beschrieben werden.
Ich schaltete völlig ab, antwortete nicht mehr, saß nur stumm auf meinem Stuhl und versuchte, das Atmen nicht zu vergessen.
Die Dame bat mich, die Erklärung zur Abgabe einer DNS-Probe zu unterschreiben. Wir erinnern uns: Ich hatte ein einziges, minimal pornographisches Bild in meinem Blog gepostet und sollte eine DNS-Probe abgeben. Ich verweigerte die Abgabe.
Da ich vorher etwas lauter geworden war, leistete uns ein weiterer Beamter Gesellschaft und wir liefen in das andere Gebäude zum Erkennungsdienst. Dort angekommen, wurde ich zunächst vermessen und gewogen. Danach sollte ich mich auf einen Stuhl mitten im Raum setzen. Schräg über meinem Kopf war eine Art kleineres Flutlicht, damit ich voll ausgeleuchtet werden konnte. Zwei Beamtinnen und ein Beamter musterten mich aus ca. zwei Metern Entfernung. Ich kam direkt aus dem Hotel und hatte noch das Kleid vom vorigen Abend an. Alles passte perfekt ins Bild der sexuell über die Stränge schlagenden Frau.
Die Beamten mutmaßten über meine Augenfarbe, traten an mich heran und redeten über mich als sei ich ein Ausstellungsstück. Ich bekam nur einzelne Wortfetzen mit:
„Machst du noch den Abgleich der Ohrenform?“
„Strecken Sie bitte Ihre Hände aus.“ Sie tastete meine Finger ab, um sie auf Auffälligkeiten zu untersuchen.
„Können Sie bitte Ihren Blazer ausziehen?“ Sie betrachtete meine Unterarme und gab die genaue Position von mehreren Narben an.
„Haben Sie Tattoos?“
„Haben Sie Narben an den Beinen?“ Ich zog meine Stiefel aus und streckte ihnen meine Beine entgegen.
„Ja, sie hat eine Narbe am Knie!“
„Sind Ihre beiden Ohren gepierct?“
Dazwischen kamen mehrere Beamte durch die Räume gelaufen und redeten anscheinend über das Mittagessen.
„Ist das eine Narbe da in Ihrem Dekolleté?“ Es ging um die Narbe meiner Herz-OP. Ich konnte nicht mehr an mich halten und fragte nur: „Was zur Hölle soll es denn bitte sonst sein?“
An den Wänden hingen Ausdrucke, nach denen das Aussehen der betreffenden Personen beschrieben werden konnte. Vor allem bei der Identifizierung menschlicher Rassen sollten diese wohl behilflich sein. Ich las nur … asiatisch, europäisch etc.
Mein Gesicht wurde aus drei verschiedenen Perspektiven fotografiert. Das Ganzkörperbild gab es noch obendrauf. Meine Fingerabdrücke wurden eingescannt. Ich spaltete mich komplett von meinem Körper ab, sonst wär ich durchgedreht.
Die Prozedur war zu Ende und die Dame begleitete mich zum Ausgang.
Draußen rief ich als erstes die Sachbearbeiterin der Internetkriminalistik an und erkundigte mich nach dem Stand der Ermittlungen meiner Anzeige.
Sie: „Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass ich nichts tun kann. Alle erforderlichen Ermittlungen waren ohne Ergebnis.“
Ich: „Sie wissen, dass ich gerade bei der Kripo war, weil Sie mich angezeigt haben?“
Sie: „Ja. Das war meine Pflicht.“
Ich: „Was unternehmen Sie eigentlich gegen youporn oder tubegalore oder die ganzen anderen Porno-Websites, die jedes Kind in Deutschland ohne Beschränkung anschauen kann? Die Websites, die täglich hunderttausende Zugriffe haben? Nicht wie mein Blog, der vielleicht ein paar Hundert Leser hat.“
Sie seufzte. „Ach, das Internet ist so groß und wenn man da einmal anfängt, kommt man nie zu einem Ende.“
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